GENOSSENSCHAFTSTAG 2017

GDBA – engagiert für Dich!

buehnengenossenschaft_6-7_17Am 22. und 23. Mai fand im Dortmunder Ballettzentrum der reguläre Genossenschaftstag der GDBA statt. Es gab eine Menge richtungsweisender Beschlüsse, diverse Personenwahlen und eine konstruktive Stimmung.

Bevor es richtig losging, war als Appetizer der neue Image-Film der GDBA zu sehen, der von der Darstellung der vielen unterschiedlichen Berufsgruppen in vielen einzelnen Häusern lebt – jeweils repräsentiert durch einzelne Mitglieder (Der Film findet sich auf unserer Internetseite www.buehnengenossenschaft.de sowie auf YouTube unter https://youtu.be/wpBuQjEDzJE).

Danach zeigte sich, dass kurzfristige Absagen unter Umständen auch ihr Gutes haben können: Nachdem die bisherige nordrhein-westfälische Kultusministerin in Folge der für ihre Partei unerfreulichen Landtagswahl nicht kommen konnte und auch der Dortmunder Oberbürgermeister abgesagt hatte, war sehr kurzfristig der Dortmunder Kulturdezernent und Stadtdirektor Jörg Stüdemann in die Bresche gesprungen – und statt der üblichen Grußwort-Prosa gab es einen frei gehaltenen profunden Beitrag zur Kulturdebatte dieser Tage. Außerdem richtete sich der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Marc Grandmontagne, mit einem Redebeitrag an die Delegierten und stand für kritische Fragen der GDBA-Mitglieder zur Verfügung, die wissen wollten, weshalb die im Bühnenverein zusammengeschlossenen Rechtsträger der Theater nicht für bessere Arbeitsbedingungen und vor allem angemessene Bezahlung sorgten. Schließlich wurden die etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Genossenschaftstages noch vom Geschäftsführer der Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO), Tobias Könemann, begrüßt. Dieser äußerte sich erfreut über die in den vergangenen Jahren gute Zusammenarbeit mit der GDBA.

Die innere Stimme der Kunst

Zuvor hatte GDBA-Präsident Jörg Löwer die Delegierten willkommen geheißen. Mut und Durchhaltewillen seien Grundvoraussetzungen einer Künstlerexistenz – und Kunst herzustellen dabei nichts weniger als eine Berufung. Worunter landläufig das Verspüren einer inneren Stimme verstanden werde, die zu einer bestimmten Lebensaufgabe drängt. Aufgabe der GDBA und des Genossenschaftstages als ihres höchsten Organs sei, aus diesen vielen einzelnen inneren Stimmen einen Chor zu formen, den weder Politikerinnen und Politiker noch Arbeitgeberverbände oder Theaterträger und Theatergremien überhören können. Darum solle es in den nächsten beiden Tagen gehen: „Als Theaterschaffende teilen wir viele Herausforderungen miteinander, weil das Leben eines Künstlers kein einfacher Weg ist. Es ist eine oft prekäre Karriere, die mit unsicheren Arbeitsmöglichkeiten und schwankendem Einkommen einhergeht. Man ist darauf angewiesen, Risiken einzugehen, sich zu verändern und sich neu zu erfinden. Trotz unseres Beitrags zu unserer Kulturlandschaft, zu unserer Gesellschaft und zu unserer Volkswirtschaft sind zu viele von uns gezwungen, unter inakzeptablen Bedingungen zu arbeiten und um die Anerkennung unseres sozialen Status und die Achtung unserer Kernarbeitsrechte zu kämpfen. Aus eigener Erfahrung berichtete Löwer von dem beruhigenden Gefühl, mit der GDBA einen Verband hinter sich zu haben, „der für meine Rechte kämpft und mir durch seine Beratung half, eine Existenz mit meiner Arbeit zu gestalten“. Für die Gewerkschaft gelte, erst der Zusammenschluss der einzelnen künstlerisch Beschäftigten forme eine starke Gemeinschaft. Mit dem Mitgliederzuwachs der letzten Jahre sei die GDBA auf dem richtigen Weg, tarifliche Verbesserungen durchzusetzen.

Wechsel in der Denkweise

Nach der Eröffnung und den Redebeiträgen folgte die Wahl des Präsidenten. Jörg Löwer, der wieder antrat, wurde mit 90,17 Prozent Ja-Stimmen erneut zum Präsidenten der GDBA gewählt. Neben seiner Kandidatur gab es keine weiteren. Zuvor hatte er seine bisherige Amtszeit in seinem Geschäftsbericht positiv bilanziert. Insbesondere sei seit 2013 eine allgemeine Aufbruchstimmung zu spüren; es sei gelungen, jüngere Kolleginnen und Kollegen wieder stärker an die GDBA zu binden. Auch der angestrebte Mitgliederzuwachs konnte realisiert werden: Seit 2013 konnten nach Jahren der Verluste regelmäßig mehr neue Mitglieder verzeichnet werden. Damit einher ging auch eine erhebliche verbesserte Altersstruktur. In seinem Bericht erläuterte er auch die zahlreichen zusätzlichen Maßnahmen wie Seminarprogramme, die in den letzten Jahren realisiert wurden.

Ganz generell wurde versucht, auf allen Ebenen Schritte voran zu gehen. Von der verstärkten Kommunikation innerhalb der verschiedenen Gremien bis zur stärkeren Einbeziehung interessierter Mitglieder in die Gremienarbeit: Es wurde auf einen Wechsel in der Denkweise hingearbeitet, durch den die GDBA weniger als Dienstleistungsagentur erscheint, sondern mehr als Instrument der Selbstorganisation von Theaterschaffenden.

Nach der Wahl des Präsidenten erfolgten die Wahlen der ordentlichen und stellvertretenden Beiratsmitglieder sowie der Kassenprüfer und ihrer Stellvertreter.

Stärkung von Mitspracherechten

Selten hatte ein Genossenschaftstag so viele Anträge zu entscheiden, wie der in Dortmund: Knapp 90 Beschlüsse mussten von den Delegierten abgestimmt werden.

Ganz am Anfang fanden in der Umsetzung eines 2013 gefassten Beschlusses gegenderte Fassungen der GDBA-Satzung und der Ordnungsstatuten eine breite Mehrheit.

Im Bereich Tarifpolitik wurde mehrere umfangreiche Anträge mit großer Mehrheit angenommen und als Material an die Tarifkommission überwiesen. Ziel ist die Stärkung der Mitspracherechte von Ensemblevertretungen analog zu Tanzgruppen und Opernchorsängerinnen und -sängern. Auch die heiß diskutierte Frage der Höhe der Mindestgage war Gegenstand der Diskussionen: Nach den Beschlüssen des Genossenschaftstages sollen Solistinnen und Solisten künftig mindestens wie Angehörige der Kollektive bezahlt werden. Praktisch bedeutet das – in Anlehnung an die Gagentabellen der Kollektive im NV Bühne – ein derzeitiges Minimum von 2.527 Euro.

Demgegenüber sind per Presseerklärung verkündete Erhöhungen der Mindestgagen an einzelnen Häusern wie Heilbronn oder Koblenz zwar gut und schön – aber sie sind eben nicht tarifiert und die Häuser können jederzeit diese Praxis wieder einstellen. Böse formuliert: Nachhaltigkeit sieht anders aus.

Auch Gagengerechtigkeit zwischen Männern und Frauen wurde als dringender Auftrag postuliert. „Gleiches Geld für gleich Arbeit“ müsse das Ziel sein.

Als Forderung an den Bühnenverein wurden ebenfalls – wie schon von Genossenschaftstagen zuvor – mehrere Anträge mit großer Mehrheit beschlossen, die das Verbot von Nichtverlängerungen während der Schwangerschaft und Elternzeit zum Ziel haben.

Gleichfalls angenommen wurde ein Antrag der Berufsgruppe Solo, 2018 eine „Interessengemeinschaft Musik und darstellende Künste“ ins Leben zu rufen. In ihr sollen verschiedenste Interessen- und Berufsvertretungen wie neben der GDBA die Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO) oder der Bundesverband Schauspiel (BFFS) vertreten sein, um politisch mit größerem Gewicht und erhöhter Präsenz zu agieren. Auch soll die Zusammenarbeit der Organisationen gestärkt werden.