Jörg Löwer Geschrieben am 5 November, 2010

Krisenticker: Kulturraumgesetz in Sachsen, Insolvenzgefahr am Theater Altenburg-Gera, Theaterkrise in Rostock

Ludwig BarnayIm Osten nichts Neues. Als Theaterschaffender könnte man verzweifeln. Eigentlich hat man einen kräftezehrenden Beruf, durch den Mitmenschen unterhalten/ inspiriert/ aufgeregt/ sensibilisiert/ aufgerüttelt/ erschüttert werden sollen. Und kaum öffnet man die Zeitung (oder besucht einschlägige Internetseiten), wird man förmlich von dem Finanzproblem Theater erschlagen. Theater und Kultur scheinen nur noch ein Steinbruch zu sein, aus dessen Substanz man immer größere Brocken sprengt, um die diversen Finanzlöcher zu stopfen. Es interessiert nicht, dass die Brocken zu den Finanzlöchern in einem Verhältnis stehen wie Sandkörner zu dem Krater in Schmalkalden. Die Sprengung findet statt, obwohl der Steinbruch in Wirklichkeit ein Märchenschloss ist, das dadurch sein Fundament verliert……

Hier also ein Update zu diversen Krisen, Finanzproblemen und den damit zusammenhängenden Demonstrationen:

ROSTOCK
Laut Medienberichten könnten dem Volkstheater Rostock im laufenden Jahr bis zu 1,2 Million Euro fehlen, obwohl das Haus erst im April in eine GmbH umgewandelt wurde. Und wieder einnmal ist die Begründung, dass „in der Vergangenheit Tarifsteigerungen für die Mitarbeiter vereinbart wurden, die jetzt zu Buche schlagen. (…) Dies ist bei der Gründung der Theater-GmbH offenbar nicht berücksichtigt worden“. Und wieder muss die GDBA feststellen, dass hier offensichtlich Verträge nicht richtig gelesen wurden. Nachzulesen hier + hier auf der Website des NDR, hier auf nachtkritik.de sowie hier + hier auf der Website der OSTSEE-ZEITUNG.

ALTENBURG-GERA
Der Freistaat Thüringen will der von Insolvenz in der 50. Kalenderwoche bedrohten Theater & Philharmonie Thüringen GmbH (TPT) zur Seite stehen. Allerdings sagte der Pressesprecher des Thüringer Kultusministeriums, dass auch der Landkreis Altenburger Land sowie die Städte Altenburg und Gera als Träger des Theaters gefragt seien. Nachzulesen hier auf der Website der Ostthüringer Zeitung. Auch hier waren „ungeplante Tarifsteigerungen“ als Gründe für die finanzielle Schieflage genannt worden.  Der Präsident der GDBA, Hans-Christoph Kliebes, hatte über diese Begründung hier in der Thüringischen Landeszeitung sein Unverständnis geäußert.

SACHSEN
Wie im letzten Blogbeitrag angekündigt, fand am 03.11.2010 vor dem Sächsischen Landtag in Dresden eine Demonstration unter dem Motto: „Wir sind mehr wert!“ statt. Mehr als 10.000 Teilnehmer protestierten gegen geplante Haushaltskürzungen. Theaterschaffende aus allen Landesteilen Sachsens beteiligten sich daran. Ihnen ging es vor allem um die geplante Novellierung des Kulturraumgesetzes, die die Theater massiv in ihrer Existenz bedrohen würde.

Demo in Dresden

Inzwischen hat die Regierungskoalition ihren Haushaltsentwurf abgeändert. Auf der Website der CDU-Fraktion heißt es:

„Die Belastung der Kulturräume in Höhe von 9,1 Millionen Euro wird zum größten Teil zurückgenommen. In diesem Jahr 2010 steht den Kulturräumen eine Summe von 85 Millionen Euro direkt zur Verfügung. In den beiden kommenden Jahren 2011/2012 wären es laut Regierungsentwurf 77,6 Millionen Euro gewesen. Nach neuem Modell werden den Kulturräumen in 2011/2012 nun je 82 Millionen Euro direkt zur Verfügung stehen, also drei Millionen Euro weniger als bislang.

Die Landesbühnen Sachsen werden erhalten. Die Summe der Transferleistungen (Zuweisungen) wird auf 12,5 Millionen Euro gedeckelt. Die Stadt Radebeul wird verpflichtet, sich an den Kosten für den Spielbetrieb in Radebeul zu beteiligen.“

Hier ein Video der erfolgreichen Demonstration auf YouTube:

Diverse Kulturbetriebe haben die Fortsetzung der Protestaktionen angekündigt (z.B. die Mitarbeiter des Theaters Plauen-Zwickau, nachzulesen hier auf dem Portal nmz online und hier auf Television Zwickau) und fordern eine vollständige Rücknahme der Sparbeschlüsse der Sächsischen Staatsregierung.

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