Jörg Löwer Geschrieben am 26 Oktober, 2010

Drohende Insolvenz am Theater Altenburg-Gera

Gestern hat der Aufsichtsratsvorsitzende der Theater und Philharmonie Thüringen GmbH Michael Wolf (SPD, Oberbürgermeister von Altenburg) eine Pressekonferenz zur Lage des Theaters gegeben. Kernaussage war: „Ohne Hilfe von außen ist das Theater Mitte Dezember zahlungsunfähig.“ Das Geld reiche noch exakt bis zur 50. Kalenderwoche. Um den Fortbestand des Theaters zu sichern, fehlen den Angaben zufolge bis zum Ende der Spielzeit 2011/2012 mindestens 1,8 Millionen Euro, wobei sich dieser Betrag auch noch erhöhen könne. Die Träger müssen zwar bereits jetzt entscheiden, wie es ab 2013 weitergehen soll. OB Wolf will aber vor der nächsten Aufsichtsratssitzung am 8. November noch nicht sagen, ob etwa eine Spartenschließung geplant ist.

Nach Vorlage des Haushaltskonzepts ab 2013 will Kultusminister Christoph Matschie über finanzielle Soforthilfen entscheiden. Als Gründe für die Finanzmisere werden in der Hauptsache „ungeplante Tarifsteigerungen für den Zeitraum 2009 bis 2012“, „gestiegene Ausgaben für die Gebäude-Instandhaltung“ und „gestiegene Honorarkosten für Gäste und Aushilfen“ genannt.

Da fragt sich der Außenstehende vor allem bei dem Begriff „ungeplante Tarifsteigerungen“, was damit gemeint sein soll? Es gibt nämlich keine ungeplanten Tarifsteigerungen. Diese werden schließlich nicht heimlich von den Gewerkschaften herbeigezaubert, sondern in langwierigen Verhandlungen von den Arbeitgebern erstritten. Diese Tarifsteigerungen sind keine ungeplante Naturkatastrophe gewesen, sondern eine allseits bekannte, einzuplanende Tatsache.

TV Altenburg bringt einen Bericht zu den Vorgängen mit Video-Ausschnitten aus der Pressekonferenz unter dem Titel „Das Geld reicht noch bis zur 50. Kalenderwoche“. Mike Langer kommentiert:

„Noch bis vor wenigen Wochen haben immerhin auch Mitglieder des Aufsichtsrates, ohne Rückfragen, eine Erhöhung des Budgets des Theaters ab 2013 gefordert, basierend auf einer Notwendigkeit, die ihnen der Intendant der TPT vorgerechnet hatte. Ein Intendant, der allerdings scheinbar keinerlei Überblick über die Finanzen seines Hauses hat.“

Wolfgang Hirsch schreibt in seinem Bericht „Offenbarungseid für hehre Kunst-Ansprüche“ in der TLZ:

„So ist absehbar, dass das Altenburg/Geraer Theater – selbst wenn man die wirtschaftliche Not überwindet – auf einen künstlerischen Offenbarungseid zusteuert. Alle hochfliegenden Pläne sind perdu, ab geht’s auf Provinzniveau. Noch in dieser Saison werden zu kostenintensive Vorstellungen abgesagt, am Spielplan und am Marketing muss gespart werden. Im Gegenzug erhöht man die Eintrittspreise. Und aufwendige Bühnenbilder, teure Ausgrabungen oder besetzungsintensive Werke sind auf lange Sicht nicht finanzierbar. (…) Die Theaterkrise hat, ohne dass man es rechtzeitig bemerkt hätte, Altenburg/Gera zuerst erreicht. Und die anderen Thüringer Städte?“

Und in der Thüringer Allgemeine kann man in dem Artikel Theaterkrise in Gera/Altenburg ist hausgemacht lesen:

„Allerdings, es gibt in Gera eine Besonderheit, einen Unterschied zu den übrigen Theatern, der klar und deutlich benannt werden muss: Die Krise ist zu einem beträchtlichen Teil im Haus gemacht.“

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