Jörg Löwer Geschrieben am 28 August, 2012

Die neue Theaterspielzeit: Hiobsbotschaften in Dessau und Münster, Hoffnungsschimmer in Schleswig-Holstein

Die neue Spielzeit beginnt und die Politik sorgt in Dessau und Münster für Hiobsbotschaften.

In Sachsen-Anhalt hat Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) für das Anhaltische Theater kurzfristig eine Kürzung von 205.000 Euro für das kommende Jahr aus den Mitteln des speziellen Zusatzvertrages „Theater der Regionen“  angekündigt. Dieser Vertrag beinhaltet 1,12 Millionen Euro Landeszuschüsse als zusätzliche Unterstützung für die Bespielung von Städten wie Wittenberg und Köthen, die kein Theater (mehr) haben. Begründet wurde die Kürzung mit einem sinkenden Kulturetat des Landes, obwohl die Theater- und Orchesterverträge anlässlich des zur Zeit tagenden Kulturkonvents zunächst ohne Kürzungen um ein Jahr verlängert werden sollten – was offensichtlich nicht für den Zusatzvertrag gilt. Der Kulturkonvent soll kulturpolitische Leitlinien erarbeiten, aus denen dann ein Landeskulturkonzept entwickelt wird. Die Frage stellt sich, ob ein solches Gremium Sinn macht, wenn während seiner Arbeit vollendete Tatsachen geschaffen werden. André Bücker, Generalintendant des Theaters, spricht jedenfalls in der Mitteldeutschen Zeitung von einer Kriegserklärung“ und will sich weigern, das Geld aus seinem Budget zu streichen.

Im CDU-regierten Münster beginnt die Spielzeit für das Theater Münster laut Informationen der Münsterschen Zeitung mit Plänen der Stadtverwaltung, Tanztheater und Schauspiel wegen des drohenden Schuldenlochs von 60 Millionen Euro im nächsten Haushalt zu schließen. Da fühlt man sich als neues Ensemble, das mit Elan an die Arbeit gehen will, gleich richtig herzlich willkommen geheißen. Zur Erinnerung: Münster war im Kulturstädteranking 2012 des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) – wir berichteten hier – auf einem sehr guten siebten Platz gelandet. Ein Ergebnis, das mit solchen Entscheidungen wohl nicht zu wiederholen ist. Der neue Intendant Ulrich Peters sprach von einem „Kamikaze-Kurs„.

Dagegen gibt es in Schleswig-Holstein einen Hoffnungsschimmer. Kultusministerin Anke Spoorendonk (SSW) hat laut shz.de vor dem Landtag angekündigt, Schleswig als Spielort erhalten zu wollen (das dortige Theatergebäude musste 2011 wegen Einsturzgefahr geschlossen werden) und will bis spätestens 2013/14 zur Dynamisierung der Landesmittel für die Theater des Landes zurückkehren. Symptomatisch für die häufig anzutreffende Fahrlässigkeit und populistische Ignoranz in Sachen Kultur ist eine Aussage des kulturpolitischen Sprechers der CDU, Peter Sönnich, in gleicher Debatte. Dieser entblödete sich nicht, die Bezuschussung der Theater aus Steuermitteln zu kritisieren und mit dem Hinweis auf Strukturprobleme eine Neuordnung der Theaterlandschaft zu fordern. Zur Erinnerung: Hamburgs ehemaliger Finanzsenator Carsten Frigge hatte 2010 kurz vor den Querelen um das Deutsche Schauspielhaus mit der Aussage „die Subventionierung der Staatsoper könne man sich auch sparen – der Musical-Hit „König der Löwen“ sei doch auch teuer und trotzdem auf Monate hin ausgebucht“ im Übersee-Club geglänzt. Die CDU wurde übrigens danach mit Pauken und Trompeten abgewählt

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