Jörg Löwer Geschrieben am 17 Juli, 2013

Das Ende des Ensembletheaters in Wuppertal

Wir haben hier zuletzt berichtet, dass der designierte Opern-Intendant der Wuppertaler Bühnen, Toshiyuki Kamioka, das gesamte Gesangsensemble nichtverlängert hat und zukünftig nur noch Gäste einsetzen möchte. Mittlerweile hat der kaufmännische Geschäftsführer, Enno Schaarwächter, bestätigt, dass dies für das gesamte künstlerische Personal außer Chor und Orchester gilt – also auch für Dramaturgie, Theaterpädagogik, RegieassistentInnen oder InspizientInnen. Somit sind die Wuppertaler Bühnen nach der Verkleinerung des Schauspielensembles und der Schließung des Schauspielhauses auf direktem Wege zur Abschaffung des Ensembletheaters. Am Ende dieses Weges steht eine leere Hülle, ein Bespieltheater ohne eigenes künstlerisches Profil.

Für die nur noch als Gäste tätigen Theaterschaffenden bedeutet dies:

  • soziale Unsicherheit verbunden mit regelmäßiger Arbeitslosigkeit und dem ständigen Damoklesschwert Hartz IV
  • Bedrohung durch Altersarmut, da nur noch unregelmäßige Beitragszeiten vorgewiesen werden können
  • die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird weiter erschwert, da Gastiertätigkeit ständige Reisebereitschaft und unregelmäßiges Einkommen bedeutet
  • finanzielle Einbußen durch fehlende Mindestgagen
  • fehlende Absicherung durch tariflich geregelte Mindeststandards im Arbeitsalltag
  • übermäßige Belastungen durch anspruchsvolle Stücke im Stagione-Betrieb (welcher Sänger kann Wagner-Opern ensuite ohne Qualitätsverlust und Beschädigung des Stimmapparates singen?)

Für Publikum und Stadt bedeutet dies:

  • keine KünstlerInnen mehr, die dem Theater ein Gesicht geben und Identifikationsfiguren sind
  • steuerliche Mindereinnahmen, da die Gagen der gastierenden KünstlerInnen am Wohnort versteuert werden und nicht in Wuppertal
  • erhöhte Kosten für Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld für die nur noch unregelmäßig beschäftigten KünstlerInnen
  • kein Personal für ein nachhaltiges Wirken des Theaters in die Stadtgesellschaft (Theaterpädagogik, Beteiligungsprojekte mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen etc.)
  • künstlerische Einbußen durch im Stagione-Betrieb verschlissene DarstellerInnen

Für das Theater bedeutet dies:

  • einen erhöhten Verwaltungsaufwand durch ständige Neubesetzungen und kompliziertere Abrechnungen
  • Bedrohung des künstlerischen Profils durch entstehende Reibungsverluste beim immer wieder neu zusammengewürfelten Personal
  • fehlende Kontinuität in der künstlerischen Zusammenarbeit

Zur aktuellen Situation hat Adil Laraki, Landesvorsitzender der GDBA in NRW, Opernnetz am 16.07.2013 ein ausführliches Interview gegeben:

pic laraki

Interview auf Opernnetz: Willkür in Wuppertal
(bitte Bild anklicken)

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